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"Ich leiste, also bin ich"
Psychologie der Leistungsgesellschaft

Unsere westlich geprägte Gesellschaften sind auch heute noch von melioristischen Ideen geprägt, vom Glauben an eine „Vertikalspannung“: Wir glauben, dass sich alles verbessern, vielleicht sogar perfektionieren lässt, wenn man sich nur genügend dafür anstrengt. Jedenfalls haben viele Menschen diese Steigerungslogik verinnerlicht. Jedoch haben sich die Ziele oder Objekte dieser Bemühungen verschoben. Die Anstrengung ist nicht mehr nur auf materielle Verbesserungen oder auf Lebensqualität konzentriert, oder gar auf die Entfaltung der Begabungen, die Vollkommenheit der Charakterbildung oder auf philosophische oder spirituelle Ideale. Die postmoderne Leistungsgesellschaft hat das Ideal der Selbstoptimierung auf die Tagesordnung gesetzt.

Es geht heute darum, das vermeintlich Beste aus sich „herauszuholen“, um sich Chancen in der Aufmerksamkeitsökonomie, auf dem Arbeits- und dem Partnermarkt zu sichern. Optimiert werden sollen Gesundheit, Aussehen, Fitness, Ansehen, Beliebtheit. Die Mittel dazu reichen von der Schönheitschirurgie über unablässige Facebook-Präsenz bis zum Gehirndoping. Der bürgerliche Leistungsgedanke, der der Ideologie der Meritokratie mit ihren Aufstiegshoffnungen zugrunde lag, ist einer Mutation zur Selbstinszenierung gewichen: Jetzt ist immer häufiger schon die gekonnte Simulation von Leistung ausreichend, die gute Performance auf den Bühnen und Foren der globalisierten Welt.

Welchen psychischen Preis zahlen die Individuen für die Teilnahme an diesem Wettbewerb? Sind Stress, Burnout, Perfektionismus die Symptome dieses Wandels? Brauchen wir einen neuen Leistungsbegriff? Und welche Strategien gibt es, sich gegen den Strudel des Optimierungs- und Maximierungswahns zu wehren?

10:00 - 10:45


Heiko Ernst

 
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