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"Helikoptereltern & Curlingkinder" Die Sehnsucht nach dem perfekten Kind

Oberflächlich betrachtet entscheiden sich immer mehr Eltern für eine Überbehütung und übertriebene Fürsorge ihres Kindes. Damit verbunden verspüren sie einen starken Wunsch nach übertriebener Nähe zu ihrem Kind, der Überwachung seiner Aktivitäten und Freundeswahl. Sie sind grenzenlos und unreflektiert verbündet mit ihrem Kind und sorgen sich um sein stetes Wohlergehen. Aus einer großen Sorge um die Zukunft ihres Nachwuchses unterliegen sie häufig einem Förderwahn im Bereich Bildung, Sport, Musik und organisierten Freizeitangeboten mit hohen Ansprüchen.

Eine andere Gruppe von Eltern scheint die Vorstellung zu haben, das Kind mache seinen Weg wie von alleine. Sie fühlen sich für nichts verantwortlich und delegieren alles ab. Somit ist für die Entwicklung der Sprache der Logopäde zuständig, für die der Motorik der Ergotherapeut, für die Erziehung der Pädagoge und für die Erbringung der Lernleistung der Lehrer. Und wenn es nicht klappt, gibt es als Erklärung Erkrankungen wie ADHS, ADS, Legasthenie, Dyskalkulie und eine Hochbegabung und dafür gibt es Ärzte, Therapeuten und Medikamente.

Hinter diesem Verhalten von Eltern verbirgt sich eine ihnen unbewusste Kompensation stetig wachsender Defizite resultierend aus dem rasanten technischen und gesellschaftlichen Fortschritt. Wir Erwachsenen sind psychisch überfordert. Als Folge der digitalen Entwicklung sind wir immer erreichbar auf allen Kanälen(Telefon, Handy, SMS, Mails, WhatsApp, Sozial-Networks...), erleben eine hohe Unsicherheit am Arbeitsplatz und im Bereich Kranken- und Altersvorsorge und werden mit Nachrichten und Informationen überflutet. Zusätzlich erleben wir immer weniger Orientierung und persönliche Anerkennung.

Als unbewusste Kompensation entstehen Beziehungsstörungen des Erwachsenen zum Kind. Das Kind wird nicht mehr als Kind gesehen sondern erlebt als Partner auf der Erwachsenenebene und im Rahmen der Projektion quasi als Ersatzeltern (sie suchen die Liebe und Anerkennung des Kindes). Seit Anfang der Jahrtausendwende befinden sich immer mehr Eltern mit ihrem Kind in einer Symbiose, sind mit ihm psychisch verschmolzen (das Kind ist ein Teil ihrer selbst -sie fühlen, denken und handeln fürs Kind). Dieses Phänomen tritt normalerweise auf im Rahmen der psychischen Erkrankung eines Elternteiles (Schizophrenie).

Zusätzlich ruhen immer weniger Erwachsene in sich. Sie befinden sich wie in einem Zustand des Überlebens, wie in einer Katastrophe. Sie stehen permanent unter Druck, sind angespannt, rastlos und dauergestresst.

Das Kind erlebt daher nicht mehr im Erwachsenen ein eindeutiges Gegenüber an dem es Halt und Orientierung findet. Daraus ist der Verlust einer altersgemäßen emotionalen und sozialen Intelligenz bei immer mehr Kindern und Jugendlichen erklärbar. Sie bleiben in ihrer Persönlichkeitsentwicklung auf der frühkindlich narzisstischen Stufe (10-16 Monate) stehen und obliegen der Vorstellung, sie könnten alles und jeden steuern und bestimmen.

Sie leben auch im höheren Alter rein lustorientiert und absolut im Moment, sind nicht wirklich lern- und leistungsbereit, verfügen trotz Erziehung über keine angemessene Gewissensinstanz und können in Konflikten Zusammenhänge nicht sehen. Sie sind auf sich bezogen und erkennen Strukturen und Abläufe nicht. Ihnen fehlt das natürliche Bestreben nach Expansion, dem Wunsch sich weiterzuentwickeln, mehr zu können. Erziehung und Bildung gehen an Ihnen vorbei. Die meisten werden als Erwachsene wie Kinder auf Versorgung angewiesen sein. Sie sind nicht arbeitsfähig und können nicht eigenverantwortlich leben.

Doch, es gibt Auswege!

Wir können mit dem tiefenpsychologischen Wissen alle Kinder in Kindergarten und Schule über einen Zeitraum von 1,5 Jahren emotional und sozial auf den Entwicklungsstand ihres Alters bringen. Dann würde Erziehung und Bildung nicht mehr an diesen Kindern vorbei gehen und sie würden wieder als Erwachsenen über eine angemessene Persönlichkeit verfügen.

Durch die Aufdeckung der unbewussten Beziehungsstörungen dem Kind gegenüber wären wir Erwachsene in der Lage, diese zu korrigieren und Kinder wieder als Kinder zu sehen. Nur so hätten wieder unsere Kinder nicht nur ein Anrecht auf Entwicklung sondern auch die Voraussetzung dazu.

11:15 - 12.00


Michael Winterhoff

 
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